Die Kunower Dorfkirche



Kunower Dorfkirche



Die Kunower Dorfkirche ist Bestandteil der Denkmalliste der Stadt Schwedt, zu der der Ortsteil Kunow nach der aktuellen Gebietsreform gehört.
Das Bauwerk gehört zum Mittelpunkt des Ortes und wirkt weit in die Landschaft hinein.
Im 13. Jahrhundert wurde die Kunower Dorfkirche im Stil des frühgotischen, klassischen Feldsteinbaus errichtet. 1281 bestätigte Herzog Bogislaw IV. Dem Nonnenkloster zu Gartz
das durch  den Ritter Heinrich de Thenis ihm übertragene Patronat der Kirche in Kunow
(PUB III 447).
Die Kirche besteht aus einem Schiff von ca. 16,30m Länge und 11,90m Breite, an das im Westen
mit 5,50m (oben) ein gleich breiter rechteckiger Turm anschließt. Auf der anderen Seite befindet sich der gezogene Chor mit einer Länge von 8,70m und einer Breite von 9,65m mit geradem
Abschluss.

Die Erschließung erfolgte über das Westportal, welches eine zweifach gestufte Leibung aus
Granitsteinen aufweist. Die Westfront des Turmes stellt sich mit einem sehr sauberen Granitmauerwerk und einer Öffnung als sehr massiv und geschlossen dar.
Im Norden und Süden sind zugesetzte Gemeindetüren zu erkennbar, ebenfalls eine zugesetzte nördliche Priestertür in der Nähe des Schiffes.

Die Kunower Kirche zeichnet sich durch eine differenzierte und sehr übersichtliche Gliederung der Bau- und Raumteile aus. Sie baut sich von Ost nach West auf, ohne Apsis, mit einem rechteckigen Chor und einem Saalschiff, welches in der Breite und Höhe zum Chor gestaffelt ist. An der Westseite gehört noch ein Turm dazu, dieser hat eine rechteckige Form und Fluchtet mit den Seitenwänden des Schiffes. Er verleiht dem Gebäude den Anschein einer großen Wehrhaftigkeit.
Der rechte Chor endet in einem glatten Ostgiebel, dessen Fläche geschmückt war, wovon noch vorhandene Reste zeugen.
Der Chor weist im Osten 3 gereihte Fenster auf, sehr hoch gelegen und wie auch die seitlichen Chorfenster in ihrer ursprünglichen Form erhalten mit nur wenig spitzbogigem oberen Abschluss.
Die Fenster des Schiffes wurden nach unten vergrößert und sind mit gemauerten  Backsteinleibungen eingefasst, an denen Putzreste mit Spuren von Farbfassungen sichtbar sind. Sie haben als oberen Abschluss einen deutlichen Spitzbogen.

Diese Bogenform findet sich auch im Triumphbogen zwischen Schiff und Chor sowie an der Nahtstelle zum Turm. Im oberen Bereich des Granitsteinrumpfes vom Turm befinden sich zwei Gurtbögen ähnlicher Proportionen an der Stelle als Auflager für den quadratischen Fachwerkturm.
Diese sind offensichtlich aus Backstein gemauert.

Die jetzige flache, über der Empore erhöhte Bretterdecke, ist ebenfalls später hinzugefügt worden.
Die vorhandenen Reste einer Deckenbemalung lassen darauf schließen, dass die Balkenlage ursprünglich gleichermaßen in Schiff und Altarraum in einer einheitlichen Höhe sichtbar gewesen ist und zeitgleich mit der Errichtung des jetzigen Dachstuhles entstanden war.

Die Räume werden überdeckt mit einfachen Satteldächern.
Über dem Langschiff befindet sich ein Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl, über dem Chor ein Kehlbalkendach mit doppelt stehendem Stuhl. Daher ist davon auszugehen, dass jeweils Dach und Deckenbalken das gleiche Baualter aufweisen.

Die Grundstruktur der Kirche ist bis heute unverändert erhalten geblieben.

Die erste Bauphase dürfte vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zum 17. Jahrhundert gewesen sein.Während die Siedlungsgeschichte der Uckermark für die Zeit des 14. Jahrhunderts von einem Bevölkerungsrückgang (Pest) berichtet, der sich im 15. Jahrhundert (viele wüste Ortschaften) und mit einbrechen des Dreißigjährigen Krieges in der Uckermark um 1626 fortsetzt. Von Änderungen oder Umbauten der Kunower Dorfkirche ist in diesem Zeitraum nichts bekannt.

In dieser Zeit des 17./18. Jahrhunderts war offensichtlich eine zweite Bauphase angelegt, die die grundlegenden Veränderungen am Baukörper, insbesondere am Turm, an den Fenstern im Schiff und bei der Innenausstattung zur Folge hatten, die das jetzige Aussehen der Kirche prägen (mit Ausnahme des damaligen Außenputzes, der wieder verschwunden ist). Der Einbau der Hufeisenförmigen Orgelempore mit gemalten Jüngern wird auf die II. Hälfte des 19. Jahrhunderts datiert.

Am 17. Mai 1719 wurde der Altar aufgestellt. Der Altaraufsatz zeigt in reichem plastischem Schmuck im Mittelfeld ein Kreuzigungsgemälde, das der vermutlich aus Stettin stammende
G. Steyn 1719 ausführte.
Der Aufsatz ist eine Kombination von Schnitzwerk und Malerei. In den Wangen aus schwungvollen Akanthusranken findet man Bildmedaillons des Stifters von Wolde und seiner Frau, deren Familienwappen im Giebelaufsatz von wachsenden Figuren gehalten werden.
Auf der Rückseite des Altars sind die Namen des Pastors, des Kirchenvorstandes und des Tischlers Christian Wiese angebracht, letzterer war wahrscheinlich derjenige der den Altaraufsatz geschnitzt hat.

Die Inneneinrichtung aus dem 18. Jahrhundert stammt aus einer pietistisch orientierten Periode. Typisch dafür ist der vor dem Altarraum schwebender Engel. Der Kunower Taufengel ist Überlebensgroß. Trotz seiner massiven Gestalt war er offensichtlich ursprünglich mittels eines Gegengewichtes leicht in die zur Taufe notwendigen Höhe zu dirigieren.

Die weitgehend originale Bemalung weist ein türkisfarbenes Gewand, Ein dunkelblaues Untergewand, lindgrüne Flügel und helles Haar aus.

Angedeutete Federkiele der Flügel und die muschelförmige Taufschale sind vergoldet.
Zeitgleich mit dem Taufengel sind 61 Holztafeln im Kirchenraum und am Gestühl entstanden die in volkstümlich-naiver Ölmalerei Leidens- und Mahnbilder in der Art der katolischen Herz-Jesus- Bilder enthalten. Den Großteil nehmen die aus einer mystischen Geisteshaltung heraus entstandenen  Darstellung des blutenden Herzens ein. An der Orgelempore befinden sich außerdem Aposteldarstellungen.

Neben dem religionsgeschichtlichen Wert haben die Malereien eine kulturgeschichtliche und volkskundliche Bedeutung. Die biblischen Texte sind hier in einer Weltsicht dargestellt, die den Menschen  in dem uckermärkischen Dorf entsprach, es ist nicht die Sicht eines Künstlers, der in einer Großstadt den ständigen Umgang mit Menschen und Dingen aus anderen Ländern hat.
Viele Details sind dem täglichen Leben entnommen, so finden wir einen eisernen runden Ofen, Beleuchtungskörper u.a.m. Von besonderem regionalegeschichtlichem Wert ist die Darstellung eines Fischers auf einem Bild an der Westseite des Kirchenschiffes. Ein bärtiger Mann mit grauleinenem halblangen Kittel und erdfarbener Hose gründet mit einer langen Stange die Tiefe eines Gewässers. Auf mehreren Bildern sind Segelschiffe abgebildet. Das Schiff war stets ein beliebtes Symbol und die gefahrvolle ins Ungewisse treibende Seefahrt galt als Gleichnis für das Leben überhaupt.

Das aus Backstein gemauerte Gesims an der Kunower Kirche war profiliert und verputzt.
Aus der Barockzeit finden sich ebenfalls Reste, die darauf schließen lassen, dass die gesamte Kirche zu dieser Zeit verputzt und mit einem farbigen Anstrich versehen war einschließlich der Fläche im Scheitel der Fensterleibungen, wo noch heute verschiedenfarbige Putzreste erkennbar sind.

Der Dachstuhl besteht ebenso wie die Decke aus Holz. Das Dach hatte traditionell eine Ziegeldeckung.
Über dem Granitmauerwerk besteht der jetzige Turmkörper aus einem Fachwerkrumpf, der in einer schiefergedeckten geschwungenen Haube endet, über der eine hölzerne Laterne aufgebaut ist. Diese trägt die zunächst 4-seitige und dann 8-seitige ebenfalls schiefergedeckte Turmspitze. Die Tragekonstruktion dieser Elemente ist ebenfalls aus Holz.